Von Syrien nach Deutschland

Den folgenden Bericht habe ich für eine Examensarbeit recherchiert. Er ist absolut wahr und belegbar. Man liest, hört und redet viel über ,DIE FLÜCHTLINGE’ oder ,Merkels neue Fachkräfte’. Politsche Einstellung ist vielseitig: Links ,mitte, rechts, noch weiter rechts und die, denen die AFD noch zu links ist.

Mir ist die Richtung einer Partei völlig egal, ich wünschte mir, der normale Menschenverstand würde die Politik so beeinflussen, dass es ein Zusammenleben ermöglicht ohne religiöse Richtungen und egoistische Einstellungen. Ich betrachte mich als absolut neutral – ich finde manche Dinge von links, manche von rechts oder manche aus der Mitte gut. Wenn die Parteien sich vermischen würden, hätten wir wahrscheinlich das optimale System. Manchmal gibt es ja sogar einen vernünftigen Vorschlag aus der grünen Ecke (aber sehr, sehr selten).

Bevor man pauschal über Flüchtlinge oder andere Menschen urteilt, sollte man sich erst einmal mit deren Beweggründen befassen und die Ursachenforschung für ihren Wunsch nach Deutschland zu kommen befassen. Es ist auch ziemlich stumpf, geistig arm und unmenschlich, wenn man über fremde Menschen urteilt um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.

Nun wird es so sein, dass es positive und negative Reaktionen über den folgenden Bericht gibt. Damit wäre auf jeden Fall schon mal bewirkt, die Menschen denken darüber nach. Ich bin mal gespannt, ob es überhaupt Reaktionen geben wird.

Ich danke für Euer Interesse an diesem Artikel und hoffe, Ihr werden ihn bis zum Schluß lesen. Matze

 

 

 

(Reportage von Matthias Bender)

 

Flucht aus Syrien nach Deutschland

Hoffnung und Angst im Gepäck

 

Das Schlauchboot ist überladen, es ist Nacht, die Religionen vereint. Für acht Stunden sind alle Feindschaften unter den Flüchtenden vergessen. Hussin T. gelang 2015 die Flucht aus Syrien über die Türkei nach Griechenland. Inzwischen macht er eine Ausbildung in Deutschland, will aber irgendwann zurück nach Syrien.

 

 

 

 

Bodrum. Es ist September 2015, es ist Nacht auf dem Mittelmeer. Hussin T. ist einer der circa 50 Flüchtlinge im überladenen Schlauchboot von Bodrum in der Türkei nach Kos, der griechischen Insel. Im Boot sind die religiösen Feindschaften von Sunniten, Schiiten und Christen für acht Stunden außer Kraft gesetzt. Hussin T. ist Atheist, das verrät er aber nicht. Aus Angst, die religiösen Gruppen würden ihn aus dem Boot werfen. Im Boot, das eigentlich nur für 20 Personen gebaut wurde, sitzen religiöse Feinde gemeinsam. Es wird viel gebetet, in diesem Moment ist die Religion egal. Alle beten zu ihrem Gott und alle hoffen auf den himmlischen Beistand. Ausnahmsweise werden alle Religionen untereinander akzeptiert.

 

Bevor es zur Überfahrt kommt, flüchtete Hussin T. mit zwei Freunden aus dem syrischen Tartus nach Beirut im Libanon, per Auto und zu Fuß. Immer dabei die Angst vor der syrischen Armee und den fanatischen Kämpfern der ISIS (Islamischer Staat). Von Beirut ging es mit dem Flugzeug in die Türkei nach Aydin. Ein Bus brachte sie nach von dort nach Bodrum, der türkischen Küstenstadt. Dort warteten sie drei Tage, bis sie für 1200 Dollar pro Person das Schleuserschlauchboot besteigen durften. In den Tagen der Wartezeit ist schlechtes Wetter. Von anderen Flüchtlingen, die es während des Sturms mit einem Boot gewagt hatten, sind 17 Personen ertrunken.

 

Die Gruppe Flüchtlinge mit Hussin T. im Boot übersteht die Überfahrt trotz Motorschadens, wird von der griechischen Marine in den Hafen geschleppt. Griechenland will keine Flüchtlinge mehr aufnehmen, doch sie dürfen an Land gehen. Sie werden von Mitarbeitern des Roten Kreuzes und der Bevölkerung mit Essen und Trinken versorgt. In den Camps der Flüchtlinge herrschen schlimme hygienische Zustände. Im Zelt passiert es oft, dass direkt neben einem eine Person ihre Notdurft erledigt. Der Geruch ist kaum auszuhalten. Es ist so eng, man liegt Körper an Körper – wenn man einen Liegeplatz ergattert hat.

 

Die Ziele von Hussin T. sind Deutschland oder die Niederlande. Die Angst, an einer Grenze abgewiesen zu werden, ist immer Begleiter. Per Bus, Zug oder zu Fuß geht es durch Nordmazedonien, Kroatien, Serbien und Österreich nach Deutschland. Die Flüchtlinge müssen oft Stunden warten, bis für eine kurze Zeit die Grenzen geöffnet werden. Erschöpft kommen sie ins Flüchtlingslager nach Bad Fallingbostel in Niedersachsen. Dort warten marokkanische Flüchtlinge schon mehrere Jahren auf Asyl oder Abschiebung. Da sie nicht arbeiten dürfen, haben sich viele durch kriminelle Machenschaften Warenlager angelegt. Sie verkaufen Essen, Getränke, Alkohol, Drogen, Luxusartikel und vieles mehr an die Flüchtlinge. Von den 50 Euro Taschengeld im Monat, die Hussin T. bekommt, kann er sich nicht viel kaufen. Er muss auf sein Geld gut aufpassen. Kriminalität und Feindschaft der religiösen Gruppen herrschen im Lager. Die religiösen Fanatiker hassen Atheisten. Es kommt unter den Flüchtlingen zu Übergriffen. Hussin T. und seine beiden Mitflüchtlinge finden Freunde, zwei Security-Mitarbeiter, 19 und 21 Jahre alt. Diese bieten Schutz und Sicherheit.

 

Hussin T. kommt nach Rotenburg/Wümme und belegt Deutschkurse. Mit anderen Arabern, die ebenfalls Atheisten sind, kämpft er im Internet gegen religiöse und politische Fanatiker. Er findet einen 450-€-Job bei einer Fastfoodkette und ist sehr gut im Job. Man bietet ihm eine Ausbildung an. Hussin T. ist gebildet, hat Abitur und Größeres vor. Er lehnt diese Stelle ab. Er fängt im Alter von 31 Jahren 2019 eine Optikerausbildung an. Er sagt: „Die Investition von 4000 Dollar in die Flucht und das große Risiko haben sich für mich gelohnt. Vielleicht werde ich später Optiker in Syrien. Und das ganz ohne Angst.“

 

Quelle: Recherchegespräch mit Hussin T., Fotos: Originaldokumente der Flucht